Aktuelle Fassadensanierung am Haus Mannesmann aus Remscheid-Bliedinghausen

Das Haus Mannesmann in der Baugruppe Bergisches Land wird saniert. Keine Sorge, es gibt keine gravierenden Schäden an dem repräsentativen Gebäude. Lediglich die Oberflächen der Fassaden des reich mit Schmuckelementen verzierten Hauses sind in die Jahre gekommen und zeigen mittlerweile einige Abnutzungsspuren. Schuld ist wie so häufig: das Wetter! Denn vor allem extreme Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit, Schnee und Regen setzen der Bausubstanz langfristig zu.

Ecke eines Holzfenster mit Metallbeschlag. In der Fensterscheibe spiegelt sich der Hintergrund
Renovierungsbedürftiger Anstrich am Haus Mannesmann
Foto: LVR-Freilichtmuseum Kommern, Volker Kirsch

Viele der von der Schieferfassade abgesetzten, weiß gestrichenen Gesimse, Pfeilervorlagen und Fensterstürze erwecken auf den ersten Blick den Eindruck, als seien diese aus Stein oder Stuck. Doch bei sämtlichen weißen Fassadenelementen handelt es sich um gestrichene Holzbauteile – und diese sind entsprechend empfindlich gegen eindringende Nässe und Feuchtigkeit.

Stilistisch zeigen sich die Fassaden überwiegend im Gewand der Architekturauffassung des frühen 20. Jahrhunderts: Historische Baustile wurden wiederentdeckt und in neuer – und zumeist relativ freier – Interpretation auf die Bautätigkeit übertragen.
Viele wohlhabende Bauherren im Bergischen Land wurden durch einen 1903 vom Landeskonservator gebildeten „Ausschuss zur Förderung der Bergischen Bauweise“ angeregt, das Erscheinungsbild ihrer Wohnhäuser im Stil eines „Bergischen Historismus“ zu erneuern.

Die reich mit Schmuck verzierte Gartenfassade des Hauses Mannesmann
Foto: LVR-Freilichtmuseum Kommern, Hans-Theo Gerhards

1916 wurde das zuvor im eher nüchternen Stil des Klassizismus gestaltete repräsentative Bürgerwohnhaus aus Remscheid-Bliedinghausen entsprechend des so geförderten „Neu-Bergischen Barock“ überformt.
Ganz besonders die jetzt dem Garten zugewandte Hauptfassade wurde in diesem Zuge durch viele verspielte, teils üppig ausgestaltete Zierelemente geschmückt. Zwar finden sich auch z. B. einige klassizistische Gestaltungselemente, der Stil der Fassade ist aber insgesamt vom spätbarocken Bergischen Stil des gehobenen Bürgerhauses bestimmt.
Dagegen ist die zur Baugruppe Bergisches Land orientierte Fassade im klassizistischen Stil des 19. Jahrhunderts belassen worden.

Der Baugruppe zugewandte schlichte Fassade des Hauses Mannesmann
Foto: LVR-Freilichtmuseum Kommern, Hans-Theo Gerhards

Neben den über zwei Geschosse durchlaufenden Pilastern und den rechteckig profilierten Gesimsbändern finden sich auf der überformten Gartenseite häufig geschwungene Linienelemente, z. B. in den Fensterprofilen. Auch im Bereich der Eingangstüre, in dem darüber liegenden Quergiebel und in den Fensterbekrönungen finden sich Blattrankwerke und andere geschwungene Pflanzenornamente.

In dem besonders aufwändig geschmückten Eingangsportal finden sich mehrere typische Gestaltungselemente des Wohnhauses bergischer Kauf- und Geschäftsleute. Zusammen mit dem seitlichen Fenster, das für die Belichtung der hinter dem Portal liegenden Eingangshalle sorgt, ist die Portalanlage in das axial angelegte Fassadenbild eingegliedert. Zwischen der senkrecht geteilten Eingangstüre und dem Belichtungsfenster ist eine Leuchte in die Holzfassade integriert worden.
Ganz typisch für die Betonung der mittleren Zugangsachse des Gebäudes ist die Kopplung des Portals mit dem im Obergeschoss liegenden Doppelfenster. Diese wird durch die Heranführung der Portalbekrönung an die Sohlbank der Fenster erreicht. Im Zentrum der Portalbekrönung befindet sich u. a. auch ein Kranz mit der eingeschriebenen Initiale „M“, dem Anfangsbuchstaben der Bauherrenfamilie Mannesmann.

Kranzmotiv mit Initiale „M“ in der Bekrönung über dem Eingang
Kranzmotiv mit Initiale „M“ in der Bekrönung über dem Eingang
Foto: LVR-Freilichtmuseum Kommern, Hans-Theo Gerhards

Alle diese Bauelemente sind meistens aus vielen kleinen Holzbauteilen zusammengesetzt. Die meisten Kompositionen werden durch Nagelungen, Fügungen mehrerer Profilleisten oder in aufwändigen Schnitzereien handwerklich hergestellt.

Mittlerweile blättert der Farbanstrich an vielen Stellen ab und das darunter liegende Holz hat durch die Witterung Schaden genommen. Als Vorbereitung für den vorgesehenen Neuanstrich werden die Fehlstellen von den Museumsschreinern in mehreren Arbeitsgängen repariert. Marode Holzstücke werden zunächst ausgebaut und in der Tischlerwerkstatt präzise nachgebaut. Anschließend werden die Ersatzstücke wieder am originalen Ort eingebaut.

Die Farboberflächen der an der Fassade verbliebenen Holzpartien werden gereinigt und angeschliffen – oder bei stärkerer Verwitterung abgeschliffen. Loses Farbmaterial wird vollständig entfernt. Die so für den Neuanstrich vorbereitete Fassade gleicht nun – kurz vor dem Neuanstrich – einem Flickenteppich an frisch bearbeiteten Holz- und Farbflächen.

Museumsschreinerin Andrea Kruth leitet die Reparaturarbeiten an den Holzteilen
Foto: LVR-Freilichtmuseum Kommern, Hans-Theo Gerhards

Die Museumsschreiner unter der Leitung von Andrea Kruth leisten bei der Reparatur der individuell auszubessernden Fehlstellen Filigranarbeit. Die in den Werkstätten des LVR-Freilichtmuseums Kommern hergestellten neuen Holzbauteile sind von den Museumshandwerkern mit dem entsprechenden handwerklichen Können und der notwendigen Liebe zum Detail an vielen Stellen bereits wieder eingesetzt worden.

Noch im Herbst 2020 sollen die Fassaden des Hauses Mannesmann nach den abschließenden Malerarbeiten in neuem Glanz erstrahlen.

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