Botanische Rarität im Freilichtmuseum wiederentdeckt!

Wie dienlich es der Artenvielfalt sein kann, wenn wir Menschen einfach mal nicht unserem oft übertriebenen Ordnungssinn nachgeben, sondern ein wenig Wildnis im eigenen Gelände dulden, zeigen mehrere botanische Besonderheiten im LVR-Freilichtmuseum Kommern.

Eine wahre Rarität wurde kürzlich bei Kartierungsarbeiten im Rahmen des aktuellen Projektes „WILDE VIELFALT im Museum“ von den beiden Botanikerinnen Carmen Lex und Claudia Kühne wiederentdeckt: Die Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine), eine Pflanze aus der Familie der Orchideen. Der genaue Fundort wird aus Schutzgründen geheim gehalten.

Orchidee
Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine) im LVR-Freilichtmuseum Kommern, Foto: LVR-Freilichtmuseum Kommern, Vanessa Sterner

Ökologische Schutzflächen – oder: Wie sieht’s denn hier aus!?

„Kann man das Unkraut nicht mal entfernen!?“

Vielleicht sind Ihnen hier im Museum Flächen aufgefallen, an denen diverse Wildpflanzen – im Volksmund gerne „Unkräuter“ genannt – Wurzeln schlagen und wuchern?

Das hat einen guten Grund!

Eine der Voraussetzungen für das Vorkommen seltener Pflanzen und die Bewahrung der Artenvielfalt ist das „Erlauben“ entsprechender Entwicklungsflächen im Gelände. So ist und war das LVR-Freilichtmuseum Kommern Partner verschiedener Projekte zum Schutz selten gewordener Wildpflanzen.

Diese stellen einen unverzichtbaren Bestandteil natürlicher Nahrungsketten dar. Im Kampf gegen das Insektensterben und zum Erhalt der biologischen Vielfalt gewähren wir diesen Pflanzen dauerhaft Unterschlupf. Im Museum haben sich über die Jahre selten gewordene oder anderorts schon ausgestorbene Arten erhalten. Das Beispiel der Breitblättrigen Stendelwurz belegt dies eindrucksvoll.

Unsere „Ökologischen Schutzflächen“ sind im Gelände besonders markiert:

Schild Schutzfläche

Nachmachen erwünscht!

Der ökologische Wert einer Pflanzenart bemisst sich nicht an ihrer Schönheit bzw. Seltenheit. Es ist der Stellenwert, den Sie in Nahrungsketten oder in Ökosystemen allgemein einnimmt. Wer hätte zum Beispiel gedacht, wie wichtig Brennnesseln sind?

Die Raupen von insgesamt 6 Schmetterlingsarten ernähren sich einzig und allein von der Großen Brennnessel (Urtica dioica). Unter diesen Feinschmeckern befinden sich so beeindruckende Schmetterlinge wie der Admiral (Vanessa atalanta) oder das Tagpfauenauge (Aglais io). Ohne Brennnesseln im Garten können die Raupen dieser Arten nicht überleben.

Also: Beim nächsten „Unkraut-Zupfen“ im eigenen Garten einfach mal die ein oder andere „unordentliche Ecke“ stehen lassen – den Insekten zum Schutz!

Tagpfauenauge (Aglais io), Foto: LVR-Freilichtmuseum Kommern, Vanessa Sterner

Förderer des Projektes „Wilde Vielfalt im Museum“

Das Projekt „Wilde Vielfalt im Museum“ wird von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft (Projektträger) in Kooperation mit dem LVR-Freilichtmuseum Kommern durchgeführt. Gefördert wird das Projekt durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen, die Deutsche Postcode Lotterie und den Förderverein Rheinisches Freilichtmuseum Kommern e.V.

Logo des Projekt- und Kooperationspartner und der Förderer

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