Das Freilichtmuseum kommt in die Schule

Nach der Corona bedingten Schließung der Schließung im Frühjahr 2020 wurden die Schulen ab dem 7. Mai schrittweise wieder geöffnet. Im Grundschulbereich bedeutete das ein rollierendes System parallel zur Notbetreuung. Vorgabe war, in dieser Zeit für alle Schülerinnen und Schülern möglichst viel Unterricht und möglichst viel Betreuung anzubieten. Ab dem 15. Juni fand dann wieder der Regelunterricht statt.

Schon das lange Zuhause bleiben war für alle Beteiligten, vor allem aber für die Schülerinnen und Schüler eine enorme Herausforderung.
Das wurde besonders in den ersten Tagen nach der Wiederöffnung deutlich. Die Kinder zeigten sich sehr zurückgenommen und vorsichtig bis ängstlich. Die vielen Regeln, die es zu beachten galt – Maskentragen, Abstandhalten, Händewaschen, Wegeregelungen – verunsicherten die Kinder, die den ungezwungenen Umgang mit ihren Mitschülerinnen und Lehrerinnen nach acht Wochen in der Kernfamilie nicht mehr gewohnt waren.
Vieles, was vor allem das soziale Miteinander ausmacht, war verboten. Alles, bei dem ein Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden konnte, wurde vermieden. Klassenfahrten waren bis zum Schuljahresende untersagt.

Fräulein Lehrerin steht an der Tafel und erklärt den Kinder die damalige Schreibschrift
Schule wie zur Kaiserzeit im Klassenzimmer.
Foto: Katharina Kesternich

So war es natürlich für Schulklassen auch nicht möglich, Angebote an außerschulischen Lernorten wahrzunehmen. Durch die Schulschließungen war die Saison für die museumspädagogischen Angebote im LVR- Freilichtmuseum Kommern beendet, bevor sie überhaupt begonnen hatte.

Als Grundschullehrerin und Lehrerin am außerschulischen Lernort LVR-Freilichtmuseum Kommern wollte ich gerne den Kindern – vor allem den Viertklässlern, die auf so vieles in ihrem letzten Grundschuljahr verzichten mussten – doch noch einen besonders schönen und abwechslungsreichen Schultag,wie es ja eine ein- oder mehrtägige Klassenfahrt immer ist, ermöglichen.

Nach einer intensiven Planungs- und Vorbereitungsphase konnte endlich das mobile museumspädagogische Angebot des Freilichtmuseums in den 4. Klassen der KGS Mechernich getestet werden. Dass hierbei neben den zu vermittelnden Inhalten auch die Einhaltung aller Abstands- und Hygieneregeln wichtig war und ist, versteht sich von selbst.
Fünf unserer freien Mitarbeiterinnen waren mit allen Materialien für die Projekte
„Tafel und Rohrstock: Schule zur Kaiserzeit“
„Auf der (Streuobst-) Wiese: Wildbienen und Co.“
„Verfilzt nochmal! Mit Schafwolle gestalten“
ausgestattet. Neben diesen Materialien musste natürlich auch Desinfektionsmittel für die Reinigung der benutzten Materialien und die Hände eingepackt werden.

Lehrerin zeigt Kinder einen Filzball
Die Projektleiterin erklärt den Kindern, wie früher Wolle verarbeitet wurde und wie man daraus Filzobjekte machen kann.
Foto: Katharina Kesternich

Während der Vorbereitungszeit waren die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer ein wenig skeptisch – so viel Unterricht war ausgefallen, so viel musste noch nachgeholt werden…

Mit dem Argument, dass es nun auf den einen Tag mehr Mathe und Deutsch nicht unbedingt ankäme und die Kinder trotzdem etwas lernen würden, waren die Bedenken schnell ausgeräumt.

So kam es, dass am Montag, den 18.5. und am Dienstag, den 19.5. die Kinder der 4. Schuljahre die Projekte „Tafel und Rohrstock: Schule zur Kaiserzeit“ und „Verfilzt nochmal! Mit Schafwolle gestalten“ in ihren eigenen Klassenräumen erleben durften.
Nach anfänglicher Zurückhaltung ließen die Kinder sich dann gerne auf die Projektinhalte ein.

„Frollein“ und „Herr Lehrer“ erzählten zunächst vom Kinderleben zur Kaiserzeit, also vor etwas mehr als 100 Jahren. Auch die Schulregeln mit Strafen und Belohnung, Aufzeigen, Aufstehen und Antworten wurden erklärt.
Anschließend führten die Kinder ein Rollenspiel durch, bei dem sie sich wie die Schülerinnen und Schüler zur Kaiserzeit verhielten. Dabei lernten sie, mit dem Griffel auf der Schiefertafel einige Buchstaben und Wörter in Sütterlinschrift zu schreiben und zu lesen.
Rohrstock und Knieholz mussten glücklicherweise nicht in Gebrauch genommen werden. Stattdessen gab es zum Schluss für jedes Kind ein Fleißkärtchen.

Schiefertafel, links und rechts Kinderhände
So saßen Kinder früher richtig am Pult. Die Hände ordentlich neben der Schiefertafel.
Foto: Katharina Kesternich

„Verfilzt nochmal!“, hieß es in den anderen Gruppen. Nachdem die Kinder einiges über Schafe, Schafwolle und die Technik des Filzens erfahren hatten, ging es an die praktische Arbeit. Unter Anleitung der Projektmitarbeiterin filzten die Kinder vier Lagen Wolle in verschiedenen Farben um einen Glasstein. Zum Schluss wurden die Wollschichten aufgeschnitten, sodass der Stein wieder zum Vorschein kam.
Die Kinder freuten sich sehr über ihre schönen „Zaubersteine“, die sie natürlich mit nach Hause nehmen durften.
Auch die Lehrerinnen und Lehrer waren endgültig überzeugt – dieser Ausflug im eigenen Haus hatte alle begeistert. n gut getan.

Hände kneten einen Filzball
Nach und nach entsteht aus der Schafswolle mit viel Geduld ein gefilzter Ball.
Foto: Katharina Kesternich

Inzwischen haben über 40 Gruppen an den Projekten des mobilen Angebots teilgenommen. In den Sommerferien ist es von vielen OGS-Gruppen gebucht worden, die ihre Standorte nicht verlassen durften.

Leider ist die Coronazeit noch nicht vorbei.
Zwischenzeitlich konnten wir im Kommerner Freilichtmuseum einige unserer museumspädagogischen Angebote mit den entsprechenden Abstands- und Hygieneregeln testen und durchführen.
Nun ist das Museum seit 1. November 2020 erneut wieder geschlossen, und wir sind froh, dass wir mit unserem mobilen Angebot weiterhin für Schulklassen und Gruppen da sein können.

Glasstein umgeben von Filz
Das Ergebnis der Arbeit ist ein kleiner mit Filz ummantelter Schatz.
Foto: Katharina Kesternich

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