Nächtlicher Bandit mit Maske – kein Steichelzoo

Vor Kurzem zeigte die Auswertung unserer Nachtsichtkameras im Projekt „Nachts im Museum“ einen nächtlichen Gast, der augenblicklich sehr gemischte Gefühle weckte. Der kleine Bandit mit dem schwarzen Augenstreifen tapste neugierig auf die Kamera zu, beschnupperte sie und entschwand genauso schnell in die Dunkelheit, wie er aus ihr aufgetaucht war.

Ein Waschbär (Procyon lotor). Der zugegeben possierliche Geselle aus der Familie der Kleinbären hat sich offenbar einmal im Freilichtmuseum umgeschaut. Abgesehen von seinem niedlichen Äußeren bietet sein Besuch jedoch wenig Anlass zur Freude: Waschbären sind keine einheimischen Tiere, sondern stammen aus Nordamerika. Die hier bei uns lebenden Tiere stammen von Vorfahren ab, die von Pelztierfarmen entwischt sind oder – wie vor einigen Jahren in Zülpich geschehen – durch radikale Tierschützer freigelassen wurden. Auch gab es in den 1930er Jahren einen gezielten Ansiedlungsversuch am Edersee in Hessen.

Die so in die Natur entlassenen Tiere fanden bei uns optimale Lebensbedingungen vor: Genügend Nahrung, ausreichend Lebensraum und – erstmal ausgewachsen, kaum natürliche Feinde. Dies hat zu einer raschen Ausbreitung und mittlerweile zahlreichen Problemen in der Natur und in städtischen Regionen gleichermaßen geführt. Die putzigen Tiere sind nämlich nicht nur wenig schüchtern, sondern auch ausgesprochen wehrhaft, wenn man ihnen zu nahekommt, oder gar versucht, sie zu verscheuchen – etwa aus der menschlichen Vorratskammer oder der Küche.

Video eines Waschbären, der nachts im Freilichtmuseum unterwegs ist, aufgenommen mit einer Wildtierkamera.

Waschbären sind Allesfresser im wahrsten Sinne des Wortes. Von vegetarischer Kost, über Aas, verzehrt der Waschbär so einiges und verschmäht auch nicht lebende Kost bis Hühnergröße. Dabei überwindet er schwimmend und kletternd natürliche Hindernisse wie Seen und Bachläufe und kann problemlos in menschliche Behausungen eindringen. Kein Dachboden, kein Keller, kein Mülleimer ist vor den geschickten Kletterern sicher. Dank beachtlicher Intelligenz begreifen Waschbären sogar die Funktionsweise von Türklinken und einfachen Stallriegeln relativ schnell.

Abgesehen von ihrem Benimm, stellt ihre Ausbreitung zunehmend ein ökologisches Problem dar: Als Nesträuber vertilgt er ganze Gelege und gefährdet so selten gewordene Arten. Auch in Feuchtwiesen und auf Inseln, die bisher vor Füchsen und Mardern halbwegs sicher waren, geraten bodenbrütende Vogelarten durch den extrem anpassungsfähigen Waschbären unter Druck. Arten, die bereits unter Lebensraumschwund und schrumpfenden Nahrungsgründen in ihrem Bestand gefährdet sind, kann der Waschbär so unter Umständen „den Rest“ geben. Auch sind sie häufig Überträger von Infektionskrankheiten und Parasiten.

Seit 2016 steht der Waschbär auf der EU-Liste der „invasiven Arten“ – d.h. er gilt als Tierart, die sich zulasten der einheimischen Tierwelt extrem vermehrt. Mittlerweile sind Waschbären flächendeckend in weiten Teilen Deutschlands anzutreffen und auch bei uns in der Eifel immer häufiger. Es ist fraglich, ob ihre Ausbreitung durch Bejagung effektiv eingedämmt werden kann. Es bleibt zu hoffen, dass sich ihre Anwesenheit nicht so negativ auf die heimische Fauna auswirkt, wie aktuell befürchtet.

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